Achtung Irrsinn:
Die Pseudoängste der Blogger

Top Secret!
Und das nächste Lauffeuer geht um sich. Als vor wenigen Monaten alle (Blogger-)Welt angst und bange war ob der Abmahngefahr durch das Benutzen des Plugins „Subscribe to Comments“ (wurde „entschäft“), brodelt es wieder fleißig in der Hysterienschmiede Bloggerdeutschland. Kandidat heute: Akismet!
Ja, das liebe gute Antispam-Plugin, das neben WP auch aus dem Hause Automattic stammt, steht im Fokus von hochgradig ausgebildeten Datenschützern und selbsternannten Power-Juristen. Losgetreten wurde die Welle von Sergej, an sich renommierter Plugin-Entwickler (wpSEO). Er listet in seinem entsprechenden Beitrag alle Werte aus, die Akismet nach Hause funkt. Moment, nach Hause funkt? Aber das ist doch zutiefst perfide und ganz ganz schrecklich. Ja und? Ist doch egal, Akismet sorgt dafür, dass Euer Blog von Bullshit-Spam freigehalten wird – will man das eintauschen? Will man sich freiwillig, durch den Spam wühlen und händisch löschen? Viel Spaß damit …
Da wird gezetert, gemosert und gemeckert, wie schlimm es doch ist, dass neben Server-Variablen auch die IP-Adresse eines jeden Kommentators übertragen wird. „Personenbezogene Daten“, fällt in die Runde und wird mit zwei Urteilen von Berliner Gerichten untermauert. Und der Konter? Klar, hier: Das AG München sagt, dynamische IPs sind keine personenbezogenen Daten! Und ich gehe schlicht in der Annahme, dass der Großteil der Kommentatoren über Provider ins Internet geht, die nunmal dynamische IPs austeilen. Wer ist jetzt die konkrete Person hinter einer dynamischen IP eines durchschnittlichen Vier-Personen-Haushaltes, wo Mami, Pappi und die Kinderchen durch’s Netz eiern?
Die grundsätzliche Diskussion an sich könnte ja durchaus interessant sein, wenn die ganzen Hysteriker ihren Rand halten würden und sich eingehend mit der Materie befassen täten. Schlimmer noch, die Hysterie steckt an und eine Vielzahl von Lemmingen rennt hinterher. Die Problematik ist, dass bei einer simplen Blogfunktion die Messlate für den Datenschutz weit in den Himmel gehalten wird, während sich das entsprechende Klientel im persönlichen Blog das eigene Leben und Leiden ausschüttet, bei studiVZ die „tollen“ Partybilder (frei nach dem Motto „Scheiß-Party, wenn ich meine Hose finde, gehe ich heim“) einstellt oder bei MySpace austobt und „Freundschaften“ mit Menschen von der anderen Seite des Erdballs „pflegt“, bei Flickr die Fotos des Alltags unterbreitet und über Twitter den täglichen Mumpitz in die Welt hinausposaunt. Zusätzlich mit der Payback-Karte in der Hand fix den Einkauf per ec-Karte bezahlen und danach lauthals in der Einkaufsstraße telefonieren, wie blöd doch gestern wieder die Liese mit ihrem Freund … Und weil’s im Laden nebenan etwas umsonst gibt, wenn man sich nur kurz für eine „Umfrage“ anmeldet, geht’s da natürlich auch schnell hin. Danach geht es nach Hause, über die Autobahn – und da kommt auch schon die Mautbrücke. Jetzt weiß sogar der Wolfgang, wo man unterwegs ist.
Und das allerdümmste, sinnfreieste und blamabelste an diesem Irrsinn: Sie alle nutzen Google!
All das sind Dinge, die viel schneller zu einem sensiblen Nutzerprofil zusammengefasst werden können, als eine IP oder irgendwelches Kommentargefasel. Aber mit der Hysterie lassen sich ja so schön Leser und Kommentare generieren. Glückwunsch!
P.S.: Aus aktuellem Anlass: Datenschützer protestieren gegen Ausweitung der Vorratsdatenspeicherung – und Ihr heult wegen Akismet, ich lach mich echt kaputt.
Keine relevanten Artikel.





















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Und Trackbacks erst…
Dafür selten so gut gelacht.
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Schön zusammengefasst. Musste schmunzeln.
Ich hab meine Leser nur auf die Gefahr hingewiesen, die Welle haben die Anderen draus gemacht.
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Sie sagen es, Meister!
Ich mache dir, Sergej, keinen direkten Vorwurf. Mir geht’s primär darum, wie sich Leute an solchen, nicht unbedingt banalen, aber durchaus akzeptablen Gegebenheiten festbeißen.
4
@sergej: Und die Nutzung von AntiSpamBee dürfte dank des Artikels im deuschen Bloggerraum doch deutlich hoch gegangen sein, oder?
Aber meine Intention war weder Welle noch Hysterie zu produzieren, sondern mal etwas genauer die Welle/Hysterie zu analysieren.
5
Jungs, ich mach euch ebenfalls keinen Vorwurf
In den letzten Wochen musste ich mir zig Artikel und hunderte von Meinungen zum Thema “anhören”.
Mag sein, dass die Nutzung meines Antispam-Plugins durch den Artikel extrem zugenommen hat. Nur ich hab nichts davon, außer vielleicht mehr Supportanfragen.
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Ich weiß nicht ob du da Äpfel mit Birnen vergleichst. Soweit ich das Überblicke, wird gar nicht direkt über Akismet gemeckert, sondern einfach über die irrsinige Rechtslage in Deutschland aufgeklärt, die es Geldgeilen Rechtsanwälten ermöglichen könnte, Massenabmahnungen an Blogbetreiber zu verschicken. Wegen dümmlichen Partyfotos kann ich wohl kaum abgemahnt werden.
Das das alles natürlich wieder in einer Hysterie-Welle über uns hineinbricht hast du allerdings gut auf den Punkt gebracht
Hysterie entsteht bekanntermaßen durch zu wenig, falscher oder ungenauer Information, ich fänd’s schön, wenn sich mal ein paar Juristen um eine unaufgeregte Lösung solcher Blog spezifischen Probleme kümmern könnten, ich hab nämlich keine Lust mich wegen einer fehlenden Angabe Abmahnen zu lassen.
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