„Es geht niemanden etwas an, mit welchem Browser ich surfe“
Ihr TÜV ist abgelaufen! – Ruhe, Klugscheißer!
Ihr Haus weist bauliche Mängel aus und wird sie viel Geld kosten! – Ruhe, Klugscheißer!
Ich empfehle Ihnen die gebratenen Garnelen mit Preiselbeersirup. – Ruhe, Klugscheißer!
Na, fällt etwas auf, abgesehen vom irren Garnelen-Rezept? Richtig, Hinweise, für die man Dankbarkeit zeigen würde, statt dem Hinweisenden den Titel „Klugscheißer“ an den Kopf zu werfen.
Warum? Theoretisch ganz einfach. Ein abgelaufener TÜV kann schnell einen Punkt in Flensburg bringen, ein Haus mit Baumängeln rottet irgendwann vor sich hin und im Restaurant fragt man gerne nach einer Empfehlung, weil man zwei Stunden für die Speisekarte braucht.
Aber wehe, wenn es nur ansatzweise in den Computerbereich, gar in den zu benutzenden Internetbrowser abdriftet.
Ich staunte nicht schlecht, als ich diesen recht seltsamen Kommentar in einem Beitrag zum Firefox-Browser genehmigte – und wütend wurde. Es ist ja so, dass es vielerlei Argumente (Argumente, keine Gründe!) gibt, warum der Internet Explorer 6 immer noch in der Benutzung ist. Da ist es die Lieblingswebseite, die doch so toll im IE6 aussieht. Oder das ach-so-tolle Intranet, was in keinem anderen Browser funktioniert. Schlimmer wird es, wenn es in die Richtung „Aber das Internet ist doch das blaue E“. Oder wenn selbsternannte Systemadministratoren etwas über Sicherheit schwafeln und dabei nicht mal ansatzweise Hintergrundinformationen über dieses Thema besitzen und großkotzig behaupten, dass andere Browser (die Jahre voraus sind) wesentlich unsicherer wären.
Aufklärung
Was führte zum aufgeführten Kommentar? Per PHP wird der benutzte User Agent (Browser) abgefragt. Nichts ungewöhnliches, passiert wohl auf 90% aller Websites (egal, in welcher Form, PHP, Javascript, ASP, blah). Drastischere Methoden, wie die des „Explorer Destroyers“ oder Eric Eggerts „kopfüber und spiegelverkehrt“ (nutzt er aber nicht mehr). Glaubte Herr P. ernsthaft, er ist anonym im Internet unterwegs, wenn er meint, „es ginge niemanden etwas an, mit welchem Browser er surfe“. Ok, im Grunde ist es mir ja auch völlig egal – solange es nicht der Internet Explorer 6 ist!
Ich sehe es nicht ein, für eine kaum merkliche Minderheit, die hier mit dem IE6 unterwegs ist, meinen Blog für diesen acht Jahre alten Browser herzurichten. Da hab ich keinen Bock drauf. Oder ist Herr P. dazu bereit, mir diese Zeit zu vergüten? Ein Kasten Bier, eine gute Flasche Rotwein oder ein Tankgutschein? Nö, natürlich nicht. Also bin ich es auch nicht und gebe mir lediglich die Mühe, mich in die Reihe der Aufklärungsarbeiter zu reihen und mit nicht subtilen Forderungen auf Missstände hinzuweisen. Habe ich als Webentwickler nicht die Pflicht dazu? David macht es, Jens fällt schon auf die Knie, hier geht’s ins (schmerzende) Detail, Gerrit stellt die kontroverse Frage, Christian verdreht ihm den Kopf und Peter prophezeit bessere Zeiten (reicht, ich denke, man weiß, was ich meine). Ergo: Natürlich!
Ein Automechaniker hat genauso die Pflicht dazu, auf Mängel am Fahrzeug hinzuweisen. Macht er das nicht und man setzt anschließend die Karre vor einen Baum, ist er mitschuldig!
Zugegeben, etwas überspitzt, dieser Vergleich, aber er verdeutlicht es: Wer seinen Job ernst nimmt, der versucht auch seine Mitmenschen auf bestimmte Dinge und wichtige Merkmale aufmerksam zu machen. Ob nun Mechaniker oder Webentwickler – jeder versucht, seine Umwelt ein Stück weit zu sensibilisieren, ob es nun der Sicherheit dient oder dem Kunden schlicht ein paar Euro sparen könnte (hey, das Argument „Sparen“ zieht doch zu 101 %!). Gerade in der IT-Branche, wo jährlich Milliarden über Milliarden verheizt werden, weil Sicherheitslücken nicht vermieden wurden. Und da zählt nun einmal auch ein acht Jahre alter Internetbrowser dazu!
Und der Internet Explorer 6 ist schlicht und ergreifend ein riesiges Problem. Microsoft hat sich auf den Lorbeeren ausgeruht und nie großartig an ihrem Pseudo-Flagschiff weitergearbeitet. Statt die großen Probleme anzugehen, hatte man sich darauf beschränkt, immer wieder auftauchende Sicherheitslücken zu stopfen (will ich nicht unbedingt kleinreden). Statt aber die Ursachen zu bekämpfen, hat man sich wie selbsternannte Wunderheiler stets der Symptome bedient. Hier einmal einige Bedienungsvorschläge von Microsoft über ihr Produkt „Internet Explorer 6“:
- Schalten Sie ActiveX ab.
- Surfen Sie nicht auf mehreren Seiten gleichzeitig.
- Klicken Sie nicht auf Hyperlinks in Webseiten.
- Setzen Sie nicht voraus, dass die URL in der Adresszeile die richtige ist.
Es kann sich jeder selber darüber Gedanken machen, was man von einer Firma und ihrem Produkt halten soll, für das man solche aberwitzigen „Hilfen“ unterbreitet bekommt.
Denkanstoß
Ist man nun also weiterhin der Klugscheißer, wenn man den Benutzern des IE6 sachdienliche Hinweise bietet, warum sie aufhören sollen, ihren Browser zu nutzen? Ihnen Alternativen vorschlägt? Sie unterstützen will? Ihnen weiteres Material gibt, um es zu lesen?
Manchmal, aber nur manchmal, finde ich den hahnebüchenen „Internetführerschein“ gar nicht so doof …
Der Rest
Das Thema „kommerzielle Websites“, öffentliche Einrichtungen oder alles andere, was nichts mehr mit privaten Seiten zu tun hat, ist ein völlig anderes Thema. Aber fragt doch mal die Entwickler, wie viele graue Haare ihnen schon wieder entsprießen, weil sie sich mit jenen und welchen Inkompatibilitäten oder Bugs der Internet-Explorer-Familie auseinandersetzen. Ich rede nicht davon, den IE6 auszuschließen. Hier muss er freilich integriert werden. Alles andere wäre unprofessionell. Wir haben es ja mittlerweile besser. Conditional Comments, CSS-Hacks und JavaScript-Frameworks, die eine einheitliche Basis anbieten, die der Entwickler nutzen kann, um effizienter arbeiten zu können. Es gibt einen reichlichen Fundus an Arbeitsweisen und Technologien, um dem Problem „Internet Explorer 6“ Herr zu werden.
Aber es gibt anscheinend noch keinen effektiven Weg, um dem Problem „Internet-Explorer-6-Nutzer“ Herr zu werden.
Leistet Aufklärung, weist die Nutzer auf Sicherheitsmängel hin und zeigt ihnen Dinge, die der IE6 nicht kann. Zeigt ihnen, dass das Web so viel mehr sein kann als das, was ihr veralteter Müll-Browser ausspuckt.
Wissenswertes
Ach, und hier und hier kann sich Herr P. ja mal die essentiellen Gründe ansehen, über die ein jeder professioneller Webentwickler ächzt.
Keine relevanten Artikel.






















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Die Lösung:
http://www.greensmilies.com/smile/smiley_emoticons_internet-exploder.gif
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Geduld habe ich, aber aus Usabilty-Gründen sollte nach dem Absenden eine Bestätigung erscheinen bzw. ein Hinweis das der Kommentar noch moderiert wird. Kannst du dir ja von WordPress abgucken.
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Verdammt! Entweder war’s die Umstellung auf Wordpress 2.6 oder die Umstellung auf PHP5/MySQL5, dass es jetzt nicht mehr geht. Normalerweise hab ich da was für geschrieben.
Danek für den Hinweis, werd ich mir fix anschauen.
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Dann kannst du auch gleich eine E-Mail-Abo-Funktion für neue Kommentare hinzufügen.
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Ja, auch eine gute Idee. Und eine Vorschau-Funktion. Man hat halt immer was zu tun …
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Die Vorschaufunktion hat man ja eigentlich schon im Textfeld.